{"id":50,"date":"2009-11-07T17:44:23","date_gmt":"2009-11-07T15:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sina.maekeler.eu\/?p=50"},"modified":"2010-04-30T18:57:38","modified_gmt":"2010-04-30T16:57:38","slug":"sylvia-weigelt-hg-johannes-rothe-thuringische-landeschronik-und-eisenacher-chronik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sina.maekeler.eu\/se\/sylvia-weigelt-hg-johannes-rothe-thuringische-landeschronik-und-eisenacher-chronik\/","title":{"rendered":"Sylvia Weigelt (Hg.): Johannes Rothe: Th\u00fcringische Landeschronik und Eisenacher Chronik"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Sylvia Weigelt (Hg.): Johannes Rothe: Th\u00fcringische Landeschronik und Eisenacher Chronik (Deutsche Texte des Mittelalters 87) [&#8230;], i: Jahrbuch f\u00fcr Regionalgeschichte 27 (2009), s. 127f.<\/p>\n<p><strong>Recension<\/strong><\/p>\n<p>Sylvia Weigelt hat mit ihrer neuen Ver\u00f6ffentlichung erstmals auf Grundlage der gesamten bekannten \u00dcberlieferung eine kritische Edition der Eisenacher Chronik (ca. 1414) sowie der Th\u00fcringischen Landeschronik (ca. 1421) des Johannes Rothe (etwa 1360-1434) vorgelegt. <!--more-->Die Chroniken sind in der renommierten Reihe \u201eDeutsche Texte des Mittelalters\u201c erschienen, in deren Rahmen 2005 bereits eine Edition von Johannes Rothes Elisabethleben vorgelegt wurde. Damit f\u00fchrt Weigelt ihre Studien zum Werk Rothes fort, dem sie sich bereits in ihrer Habilitationsschrift \u201eStudien zur \u201aTh\u00fcringischen Landeschronik\u2018 des Johannes Rothe und ihrer \u00dcberlieferung\u201c widmete.<\/p>\n<p>Der Kleriker und Stadtschreiber Rothe verfasste neben den in Weigelts Edition vorliegenden beiden Chroniken au\u00dferdem die Th\u00fcringische Weltchronik (ca. 1421), die 1859 von Rochus von Liliencron herausgegeben wurde und noch immer einer modernen Ausgabe harrt, sowie Rechtsschriften, Gedichte und Legenden. Bei der Komposition seiner insgesamt drei Chroniken griff Rothe in recht hohem Ma\u00dfe, wie zeitgen\u00f6ssisch \u00fcblich, zum Mittel der Kompilation. Insbesondere die \u201eChronica Thuringorum\u201c (sogenannte \u201eHistoria Pistoriana\u201c) und die \u201eHistoria de landgraviis Thuringiae (sogenannte \u201eHistoria Eccardiana\u201c) dienten ihm dabei als Vorlagen.<\/p>\n<p>Die Eisenacher Chronik (99-135) beschreibt die Entwicklung der Stadt Eisenach von ihren Anf\u00e4ngen bis in die unmittelbare Gegenwart des Chronisten und spiegelt ein \u201elaikales, b\u00fcrgerliches Interesse am Festhalten der Vergangenheit\u201c (XII) wider. Weigelt schlie\u00dft aus der Tatsache, dass nur zwei Handschriften der Eisenacher Chronik \u00fcberliefert sind, \u00fcberzeugend auf ein nur begrenztes Interesse an der Rezeption dieser \u201etendenzi\u00f6sen Aufzeichnungen\u201c (XII; LXXIX). Im Gegensatz zu der weitgehend auf Eisenach fokussierten Chronik bietet die Th\u00fcringische Landeschronik (1-98) eine Geschichte der Landgrafschaft Th\u00fcringen aus einer nicht nur landesgeschichtlichen, sondern auch welt- und heilsgeschichtlichen Perspektive. Heils- und Weltgeschichte dienen in diesem Zusammenhang zur Absicherung regionaler Herrschaft. Als Leit- und Identifikationsfiguren Th\u00fcringens werden die Landgrafen besonders herausgehoben. Reichs- und kirchenpolitische Ereignisse finden \u00e4hnlich wie in der Eisenacher Chronik nur Eingang in die Landeschronik, wenn sie die landgr\u00e4flichen Belange ber\u00fchren, was nicht zuletzt der Interessenlage des im landgr\u00e4flichen Dienst stehenden Auftraggebers und Adressaten der Chronik, Bruno von Teutleben, geschuldet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Eisenacher Chronik scheint die Th\u00fcringische Landeschronik in Th\u00fcringen, Hessen und Sachsen intensiv rezipiert worden zu sein, wie die 39 \u00fcberlieferten Handschriften aus dem 15. bis 18. Jahrhundert nahelegen. Dass keiner der erhaltenen Texte Johannes Rothe als Verfasser angibt, wertet Weigelt als Beleg f\u00fcr den speziellen Charakter der Chronik, die zu einem \u201eGebrauchstext\u201c mit \u201eautorenunabh\u00e4ngiger Wirksamkeit\u201c geworden sei (XXVII).<\/p>\n<p>Die beiden Texte werden durch eine umfangreiche Einleitung (IX-LXXXVIII), einen Namens- und Ortsindex (137-165) sowie ein Glossar (167-176) erschlossen. Drei Farbtafeln geben einen Eindruck von den Leithandschriften der Chroniken. Es ist Weigelts Verdienst, diese beiden Chroniken erstmals der Forschung in einer vorbildlichen kritischen Edition zug\u00e4nglich gemacht zu haben. Aus landesgeschichtlicher Warte ist dies nicht zuletzt aufgrund der intensiven Rezeption der Landeschronik Johannes Rothes im th\u00fcringisch-s\u00e4chsischen Raum sehr zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Sylvia Weigelt hat mit ihrer neuen Ver\u00f6ffentlichung erstmals auf Grundlage der gesamten bekannten \u00dcberlieferung eine kritische Edition der Eisenacher Chronik (ca. 1414) sowie der Th\u00fcringischen Landeschronik (ca. 1421) des Johannes Rothe (etwa 1360-1434) vorgelegt. Die Chroniken sind in der renommierten Reihe \u201eDeutsche Texte des Mittelalters\u201c erschienen, in deren Rahmen 2005 bereits eine Edition von Johannes Rothes Elisabethleben vorgelegt wurde. Damit f\u00fchrt Weigelt ihre Studien zum Werk Rothes fort, dem sie sich bereits in ihrer Habilitationsschrift \u201eStudien zur \u201aTh\u00fcringischen Landeschronik\u2018 des Johannes Rothe und ihrer \u00dcberlieferung\u201c widmete.<\/p>\n<p>Der Kleriker und Stadtschreiber Rothe verfasste neben den in Weigelts Edition vorliegenden beiden Chroniken au\u00dferdem die Th\u00fcringische Weltchronik (ca. 1421), die 1859 von Rochus von Liliencron herausgegeben wurde und noch immer einer modernen Ausgabe harrt, sowie Rechtsschriften, Gedichte und Legenden. Bei der Komposition seiner insgesamt drei Chroniken griff Rothe in recht hohem Ma\u00dfe, wie zeitgen\u00f6ssisch \u00fcblich, zum Mittel der Kompilation. Insbesondere die \u201eCronica Thuringorum\u201c (sogenannte \u201eHistoria Pistoriana\u201c) und die \u201eHistoria de landgraviis Thuringiae (sogenannte \u201eEccardiana\u201c) dienten ihm dabei als Vorlagen.<\/p>\n<p>Die Eisenacher Chronik (99-135) beschreibt die Entwicklung der Stadt Eisenach von ihren Anf\u00e4ngen bis in die unmittelbare Gegenwart des Chronisten und spiegelt ein \u201elaikales, b\u00fcrgerliches Interesse am Festhalten der Vergangenheit\u201c (XII) wider. Weigelt schlie\u00dft aus der Tatsache, dass nur zwei Handschriften der Eisenacher Chronik \u00fcberliefert sind, \u00fcberzeugend auf ein nur begrenztes Interesse an der Rezeption dieser \u201etendenzi\u00f6sen Aufzeichnungen\u201c (XII; LXXIX). Im Gegensatz zu der weitgehend auf Eisenach fokussierten Chronik bietet die Th\u00fcringische Landeschronik (1-98) eine Geschichte der Landgrafschaft Th\u00fcringen aus einer nicht nur landesgeschichtlichen, sondern auch welt- und heilsgeschichtlichen Perspektive. Heils- und Weltgeschichte dienen in diesem Zusammenhang zur Absicherung regionaler Herrschaft. Als Leit- und Identifikationsfiguren Th\u00fcringens werden die Landgrafen besonders herausgehoben. Reichs- und kirchenpolitische Ereignisse finden \u00e4hnlich wie in der Eisenacher Chronik nur Eingang in die Landeschronik, wenn sie die landgr\u00e4flichen Belange ber\u00fchren, was nicht zuletzt der Interessenlage des im landgr\u00e4flichen Dienst stehenden Auftraggebers und Adressaten der Chronik, Bruno von Teutleben, geschuldet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Eisenacher Chronik scheint die Th\u00fcringische Landeschronik in Th\u00fcringen, Hessen und Sachsen intensiv rezipiert worden zu sein, wie die 39 \u00fcberlieferten Handschriften aus dem 15. bis 18. Jahrhundert nahelegen. Dass keiner der erhaltenen Texte Johannes Rothe als Verfasser angibt, wertet Weigelt als Beleg f\u00fcr den speziellen Charakter der Chronik, der zu einem \u201eGebrauchstext\u201c mit \u201eautorenunabh\u00e4ngiger Wirksamkeit\u201c geworden sei (XXVII).<\/p>\n<p>Die beiden Texte werden durch eine umfangreiche Einleitung (IX-LXXXVIII), einen Namens- und Ortsindex (137-165) sowie ein Glossar (167-176) erschlossen. Drei Farbtafeln geben einen Eindruck von den Leithandschriften der Chroniken. Es ist Weigelts Verdienst, diese beiden Chroniken erstmals der Forschung in einer vorbildlichen kritischen Edition zug\u00e4nglich gemacht zu haben. 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