{"id":44,"date":"2009-11-07T17:28:15","date_gmt":"2009-11-07T15:28:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sina.maekeler.eu\/?p=44"},"modified":"2009-11-07T17:28:51","modified_gmt":"2009-11-07T15:28:51","slug":"schirmer-uwe-kursachsische-staatsfinanzen-1456-1656-strukturen-verfassung-funktionseliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sina.maekeler.eu\/se\/schirmer-uwe-kursachsische-staatsfinanzen-1456-1656-strukturen-verfassung-funktionseliten\/","title":{"rendered":"Schirmer, Uwe: Kurs\u00e4chsische Staatsfinanzen (1456-1656) &#8211; Strukturen, Verfassung, Funktionseliten"},"content":{"rendered":"<p>Schirmer, Uwe: Kurs\u00e4chsische Staatsfinanzen (1456-1656) &#8211; Strukturen, Verfassung, Funktionseliten (Quellen und Forschungen zur s\u00e4chsischen Geschichte, 28) [&#8230;], i: Geldgeschichtliche Nachrichten 43 (2008) 239, s. 237f.<\/p>\n<p><strong>Recension<\/strong><\/p>\n<p>In seiner 2006 erschienenen Habilitationsschrift untersucht Uwe Schirmer die \u201eGeschichte der kurs\u00e4chsischen Staatsfinanzen\u201c, die er auch als \u201eProblemgeschichte des Staatsbildungsprozesses\u201c begreift <!--more-->(S.\u00a019). Der Untersuchungszeitraum wird begrenzt durch die Reformen Kurf\u00fcrst Friedrichs II. aus dem Jahr 1456, die mittelfristig zur \u201eSanierung der landesherrlichen Geld- und Naturaleink\u00fcnfte\u201c f\u00fchrten (S.\u00a023, S.\u00a058f.) und dem Tod Kurf\u00fcrst Johann Georgs I., der testamentarisch der wenig sp\u00e4ter realisierten Teilung von Herrschaft und Land zugestimmt hatte. Ziele der Studie sind (1) \u201edie Rekonstruktion der kurs\u00e4chsischen Finanzen, also der landesherrlichen und landst\u00e4ndischen Einnahmen und Ausgaben\u201c sowie die Untersuchung (2) der \u201eEntwicklung und Ausformung der gesamten Finanzverwaltung\u201c und (3) der Zusammensetzung der \u201ewesentlichen Entscheidungstr\u00e4ger\u201c innerhalb der kurs\u00e4chsischen Verwaltung (S.\u00a023).<\/p>\n<p>Die Arbeit ist chronologisch strukturiert und in vier umfangreiche Teilkapitel untergliedert. Ihr liegt das dreistufige Entwicklungsmodell Gerhard Oestrichs zugrunde (S.\u00a034f.), in dem dieser die Genese des \u201eMilit\u00e4r-, Wirtschafts- und Verwaltungsstaat[s]\u201c aus den sp\u00e4tmittelalterlichen \u201eFr\u00fch- und Vorformen von Staatlichkeit\u201c beschrieben hatte (S.\u00a034f.).<\/p>\n<p>Das erste Kapitel \u201eLandesherrschaft und Finanzwesen (1456-1485) \u2013 Dezentralisierte Staatlichkeit\u201c (S.\u00a055-136) umfasst den Zeitraum von 1456 bis zur Leipziger Teilung. Schirmer konstatiert die Durchf\u00fchrung vorteilhafter Reformen in dieser Zeit, h\u00e4lt die Deckung des Haushalts aber dennoch allein durch die Ertr\u00e4ge des Bergbaus, der \u00c4mter und der indirekten Steuer sowie durch Kreditaufnahmen bei \u201eLiquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen\u201c f\u00fcr gesichert (S.\u00a0\u00a0135). Bis zur Berufung des Landrentmeisters Johann von Mergenthal im Jahr 1469 war der Freiberger M\u00fcnzmeister eine der \u201eeinflussreichsten Personen\u201c innerhalb der Finanzverwaltung (S.\u00a055). Er verwaltete und kontrollierte die Ertr\u00e4ge des Bergbaus, \u00fcber die der Landesherr das Vorkaufsrecht beanspruchte. Neben der Aufsicht \u00fcber die Verm\u00fcnzung in der Freiberger Pr\u00e4gest\u00e4tte agierte der M\u00fcnzmeister zeitweilig auch als \u201eBankier und Wechsler\u201c des F\u00fcrsten (S.\u00a055). An Einfluss verlor er vor allem durch die nachlassenden Bergbauertr\u00e4ge in den 1450er Jahren, in denen F\u00fcrst und M\u00fcnzmeister regelrecht in \u201epeinliche Geldverlegenheiten\u201c gerieten (S.\u00a056). Wurden in solchen finanziell prek\u00e4ren Situationen Gl\u00e4ubiger notwendig, so rekrutierte man diese fast ausschlie\u00dflich aus der wettinischen Klientel. Insgesamt bewertet Schirmer die Haushaltslage der Wettiner aber positiv, seit 1477 h\u00e4tten die s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten mit \u201eJahreseinnahmen von ca.\u00a080.000-137.000\u00a0fl zu den \u201afinanziellen Gro\u00dfm\u00e4chten\u2018\u201c des Alten Reiches geh\u00f6rt. \u2013 Der zweite Abschnitt \u201eLandesherrliche und landst\u00e4ndische Finanzen (1485-1539\/47) \u2013 Der ernestinische und albertinische Finanzstaat\u201c (S.\u00a0139-513) besch\u00e4ftigt sich gleicherma\u00dfen mit den ernestinischen Kurf\u00fcrsten und albertinischen Herz\u00f6gen bis zur \u00dcbertragung der Kurw\u00fcrde auf die Albertiner. Gegen Ende des 15.\u00a0Jahrhunderts wurden sowohl die albertinische als auch die ernestinische Finanzverwaltung reformiert, letzterer bescheinigt der Verfasser allerdings den gr\u00f6\u00dferen Erfolg: Das \u201eRechnungs- und Haushaltswesen im ernestinischen Sachsen der 1530er und 40er Jahre\u201c sei \u201emoderner und flexibler\u201c gewesen als das der albertinischen Herz\u00f6ge (S.\u00a0511f.). Beide Linien profitierten in diesen Jahrzehnten von den hohen Ertr\u00e4gen aus dem Silberbergbau: Die Albertiner konnten 1515 Einnahmen von 117.000\u00a0fl, die Ernestiner von 75.000\u00a0fl verzeichnen (S.\u00a0511f.). Die Schulden waren aber ebenfalls hoch, sie beliefen sich bei den Albertinern 1516\/17 auf 600.000\u00a0fl, bei den Ernestinern 1514 auf mindestens 240.000\u00a0fl (S.\u00a0511f.). Zur \u201eTilgung der Passiva\u201c mussten Steuern erhoben und von den Landst\u00e4nden gebilligt werden, die so langfristig an Einfluss hinzugewannen (S.\u00a0512). \u2013 Der dritte Teil \u201eLandesherrliche und landst\u00e4ndische Finanzen im albertinischen Sachsen \u2013 Der Finanz-, Wirtschafts- und Verwaltungsstaat (1539\/41-1591)\u201c (S.\u00a0517-722) widmet sich den umfassenden Reformen der Landesverwaltung bis zum Tod Christians\u00a0I. Die Landst\u00e4nde gewannen durch die \u00dcbertragung weiterer Steuern an Einfluss hinzu (S.\u00a0720). Diese Einnahmequelle geh\u00f6rte neben den Ertr\u00e4gen der \u00c4mter und in abnehmendem Ma\u00dfe des Bergbaus zur wichtigsten Finanzquelle Kursachsens (S.\u00a0620f., S.\u00a0720f.). M\u00fcnzen wurden auch weiterhin in gro\u00dfem Stil gepr\u00e4gt \u2013 von \u201e1572 bis 1582 waren es im Jahresdurschnitt 423.387 Taler\u201c \u2013 wenngleich gro\u00dfe administrative \u00c4nderungen vollzogen wurden: Man verlegte die Freiberger M\u00fcnze nach Dresden, und die M\u00fcnzst\u00e4tten Schneeberg und Annaberg versanken in die Bedeutungslosigkeit (S.\u00a0621). Mit dem neu gepr\u00e4gten Geld bestritt der F\u00fcrst offenbar \u201ezum gro\u00dfen Teil die Ausgaben f\u00fcr Bergbau und Montanwesen\u201c (S.\u00a0621f.). Trotz der hohen Schulden (1591 3.047.000\u00a0fl) geh\u00f6rte Kursachsen innerhalb des Reiches immer noch zu den finanziell besser gestellten Territorialm\u00e4chten (S.\u00a0720f.). \u2013 Der vierte und letzte Hauptteil \u201eBew\u00e4hrung und Krise (1591-1656). Der kurs\u00e4chsische Steuer- und Verwaltungsstaat unter Christian\u00a0II. und Johann Georg\u00a0I.\u201c (S.\u00a0725-873) beleuchtet die Krisenzeit, die durch die zehnj\u00e4hrige Vormundschaftsregierung (1591-1601) sowie das ruin\u00f6se Finanzgebaren Christians\u00a0II. (1601-1611) eingel\u00e4utet wurde und bis zum Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges zwar zum Staatsbankrott Kursachsens f\u00fchrte, aber zugleich die Funktionsf\u00e4higkeit der kurs\u00e4chsischen Verwaltung bewies (S.\u00a0872f.).<\/p>\n<p>Schirmers Habilitationsschrift beeindruckt nicht zuletzt aufgrund des enormen Umfangs der ausgewerteten ungedruckten Quellen, auf denen die Arbeit in erster Linie beruht. Die Studie ist, dem Konzept folgend, Finanzgeschichte als Teil des Staatsbildungsprozesses zu begreifen, vornehmlich institutionsgeschichtlich gepr\u00e4gt. Eine st\u00e4rkere Einbindung der Geldgeschichte in die allgemeine Finanzgeschichte des silber- und m\u00fcnzreichen Sachsens w\u00e4re zwar w\u00fcnschenswert gewesen, aufgrund des Fehlens grundlegender neuerer Vorarbeiten zur s\u00e4chsischen M\u00fcnzgeschichte h\u00e4tte dies aber den Rahmen des M\u00f6glichen \u00fcberstiegen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schirmer, Uwe: Kurs\u00e4chsische Staatsfinanzen (1456-1656) &#8211; Strukturen, Verfassung, Funktionseliten (Quellen und Forschungen zur s\u00e4chsischen Geschichte, 28) [&#8230;], i: Geldgeschichtliche Nachrichten 43 (2008) 239, s. 237f. 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